

Unsere Projekte
Einst berühmt - heute vergessen?
Gedenktafeln Friedhof Rahnsdorf
Gustav Borgmann-Wiederherstellung seines Grabes
Ein Gedenkstein für Charlotte von Mahlsdorf
Schilderaktion auf dem
Friedhof Karlshorst
Restaurierung des Grabes der verunglückten Kinder auf dem Zentralfriehof Friedrichsfelde
Leider hat die gemeinsam mit dem Förderverein Gutshaus Mahlsdorf ins Leben gerufene Spendenaktion zur Ehrung von Charlotte von Mahlsdorf anläßlich ihres 1. Todestages ein für die Interessengemeinschaft Historischer Friedhöfe Berlin unerwünschtes Ende genommen. Die getroffenen Entscheidung hinsichtlich der Inschrift auf der Gedenktafel entzog sich gänzlich unserer Einflussnahme, was wir zutiefst bedauern.
Gedanken hierzu von Hella Leuchert-Altena:
Teils heiter, teils wolkig?
Charlotte von Mahlsdorf wurde an einem Sonntag im August 2004 vor dem Gründerzeitmuseum in Mahlsdorf geehrt.
Die Interessengemeinschaft Historischer Friedhöfe Berlin, in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Gutshaus Mahlsdorf e.V. , initiierten und verwirklichten diese wunderbare Idee. Ein alter, aus Sandstein gefertigter Sockel (er hätte Charlotte gefallen) wurde mit einer Tafel versehen, deren Text wie folgt lauten sollte:
Ich bin meine eigene Frau - Charlotte von Mahlsdorf
18. März 1928 – 30. April 2002
Ein Wortlaut, der Charlotte nicht nur gerecht geworden wäre, sondern vor allem dem entsprach, was sie selbst vorgab, anstrebte und vertrat. Aber wie so oft im Leben ließ man sie nicht, legte Steine in den Weg – nun auch über ihren Tod hinaus.

"Stein für Charlotte"
Es begann schon damit, dass man den Ort ihrer letzten Ruhestätte in Schweden, den sie sich so sehr gewünscht hatte, nicht respektierte und ihren Freundeskreis durch Geheimhaltung der Beisetzung ausschloss. Es scheint schon fast einer gewissen Bestimmung zu unterliegen, wie Ungerechtigkeit Charlotte verfolgte – gleich einer Verwunschenheit eines alten Fluches, der seine Erlösung unablässig fordert. Wir können ähnliches in alten Märchen wiederfinden, die uns verdeutlichen, dass derartiges durchaus existiert, gleichwohl sie aussagen, dass sich Böses auf Dauer aber nicht nähren kann, so dem Liebe entgegensteht und sie nicht ablässt, sich dem wiederholten Kampf auf diesem Pfad zu stellen. Auch wenn Charlotte am Ende müde wurde, diese Widrigkeiten anzugehen, der Körper ihr die Überlastung nicht verzieh, so hat sie alle Samenkörner zur Einlösung gelegt, deren Wachstum niemand mehr aufzuhalten vermag. Ein Netz, welches so treue Zuneigung spann, ist nicht zerstörbar.
Als ich Charlotte von Mahlsdorf erstmals sah, hatte sie meine soforteige ungeteilte Zuneigung. Vorerst nicht ihrer selbst willen, vielmehr weil sie mich ebenso spontan an Tante Peppi erinnerte, eine alte Dame aus meinen Kindertagen, die immer zur Stelle war, um uns aus der Klemme zu helfen. Ihre reparierten Dreiangel schienen unsichtbar, die Wundversorgung, so dass meine Mutter, jedenfalls nicht gleich, in Ohnmacht fiel und jederzeit hatte sie Nervennahrung, Angstkiller parat in Form von Kuchen, getrockneten Äpfeln oder aus Zuckerrübensaft gefertigte Bonbons. Kostbarkeiten in der Nachkriegszeit, deren Erinnerung für mich die gleiche Kostbarkeit an meine Jugend in dem idyllischen Örtchen Woltersdorf birgt.
Daher verfolgte ich alles weitere, was dieser Lothar Berfelde betraf. Wenngleich, wie erwähnt, vieles unglücklich, fast schon tragisch verlief, wunderbar war es zu schauen, wie der Engstirnigkeit, der Bigotterie und dem Kleinmut durch sie die Stirn geboten wurde. Ein schwerer ungleicher Kampf, der dennoch gelang. Nun kommen die Verwandten und wer sie selbst ahnt, weiß um deren zum Teil abstrusen Sinn und maßen sich an, an diesem sorgsam errichteten Kartenhaus zu rütteln, indem sie die Änderungen eines eigenen Textes
„Lothar Berfelde, 1928 – 2002, genannt Charlotte von Mahlsdorf.
Dem Museumsgründer zur Erinnerung“
durchsetzten. Einerseits scheint es ihnen peinlich, dass Charlotte den Mann abstreifte, um sich als Frau zu verwirklichen, andererseits ist sie gut genug, um den Familiennamen in einen Bekanntheitsgrad zu versetzen. Dafür wurde sogar nötiger Einfluss geltend gemacht, denen der Förderverein Mahlsdorf zu meinem größten Bedauern nachgab, denn es wäre fraglich geblieben, ob man tatsächlich die Möbel zurückgehalten hätte. Und selbst wenn, das Haus an sich oder das Andenken an Charlotte hätte keine Kratzer abbekommen. Zudem meine ich, dass Charlotte selbst dem nicht stattgegeben hätte, aber zumindest wäre die Sache fairer abgelaufen.
Letzendlich wissen wir alle nicht, wozu etwas gut ist oder war, aber würdelos für Charlotte und herabsetzend für die Familie bleibt es allemal.
© 2010-2012 Interessengemeinschaft Historischer Friedhöfe (IGHF) Berlin | eMail: info@historischefriedhoefeberlin.eu